Bericht 4  - 29. Nov. bis 24. Dez. 2015
Immer wieder spektakuläre Eindrücke, wir brauchen eine Pause zum Durchatmen. Da sind wir genau richtig in der Gegend um Cordoba, etwa 750 km nordwestlich von Buenos Aires. Wiesen, Wald und Hügel, es könnte auch Europa sein. Kein Wunder, dass sich hier viele Deutsche und andere Europäer niedergelassen haben. Nicht weit von Cordoba liegt Alta Gracia, ein ungewöhnliches Städtchen. Auf sauberen Bürgersteigen stehen 01Straßenbäume, die gediegenen Häuschen haben gepflegte Vorgärten.  Nicht nur Manuel de Falla hat seine letzten Lebensjahre hier verbracht, auch die Eltern von Che Guevara hatten ein Haus gekauft, damit ihr asthmakranker Sohn in dem trockenen Klima gesund wird. Obwohl Che hat nur einen Teil seiner Kindheit hier verbracht hat, wird  das heute touristisch gewaltig ausgeschlachtet. Das Haus ist  Museum mit allem, was sich zu  Che ausstellen lässt, und gleich gegenüber ist der Andenkenladen. Alles Che.
Damit der Bericht nicht endlos wird, machen wir jetzt mal einen großen Sprung von rund 1.100 Kilometern. (Wen die Route interessiert: Es ging von Cordoba über La Rioja, weiter auf der 60 bis Cerro Negro, dort wieder auf die Ruta 40 bis L2ondres, wo wir uns die Inka-Ruinenstätte „Ruinas Shincal“ ansehen, und danach folgen wir der Ruta 40 bis Cafayate.)
Wir sind am 02. Dez. in Cafayate, einem touristischen Städtchen in der Provinz Salta, gehen essen und probieren Torrontés –Weißwein, denn hier ist Weingegend. Leider –oder zum Glück – ist diese besondere Traube nicht unser Geschmack.
Hinter Cafayate wird die Ruta 40 wieder Schotterpiste, ab und zu hat die b3erühmte Straße die Breite eines einspurigen Feldwegs, dann kommt eine Brücke für max. 3 m breite Fahrzeuge und 15 t. So wie sie aussieht bin ich froh, dass sie unsere 5,5 t trägt. Wir durchqueren zahllose trockene Flussbetten, in den Flusstälern reicht das Wasser für Landwirtschaft. Zwischendurch wird die Straße passabel, hier war wohl kürzlich der Pistenhobel im Einsatz, dann kommt wieder hohes Wellblech, das unser Opamobil scheppern lässt. Wir sind heilfroh, als wir um 16 h auf dem Hauptplatz von Cachi stehen. 4 ½ Std. für 150 km, das ist kein toller Schnitt. Aber Cachi ist klein und nett. Die Kirche ist sehr indogen, die meisten Gesichter sind es auch.  Auf dem Vorplatz von der Kirche ist es wunderbar schattig und ruhig, wir bleiben über Nacht stehen, ohne zu wissen, dass hier Parkverbot ist. Erst am nächsten Morgen kommt ein Polizist, macht uns darauf aufmerksam und bittet uns wegzufahren. Wir sind gerade beim Frühstück, und als wir ihm versprechen in etwa einer halben Stunde zu fahren, geht er wieder. Stellt euch das in Deutschland vor!5
Nur noch ein kurzes Stück folgen wir  der Ruta 40, dann nehmen wir den Abzweig zur „Cuesta del Obispo“ ( Bischofswand) ab. Der Name erinnert an den Bischof Manuel Cortázar, der 1767 von Peru in die Schlucht abstieg um die Jesuiten zu vertreiben. Wir kommen von der anderen Seite in die Schlucht und erreichen den „Parque Nacional Los Cardones“, den größten Kakteenwald Argentiniens. Die Cordones sind riesige Säulen- und Kandelaberkakteen, die jetzt weiße Blüten haben. Die ersten Missionare fanden die gewaltigen „Stachelbäume“ furchterregend, man kommt sich wirklich neben so einem Riesen sehr klein vor.  
Die nächste Station wäre Salta, aber wir waren schon bei der letzten Re7ise dort, außerdem meiden wir eher die großen Städte. Also nehmen wir die Ruta 9 nach San Salvador de Jujuy. Waren wir kürzlich noch mitten in Kakteen, kommen wir jetzt plötzlich durch einen Märchenwald. Riesige Bäume  voller Bromelien,  Lianen, Farne auf den Ästen, dazu  Ausblicke über endlose Berghänge und Schluchten, alles dicht bewaldet. Wir sind in den Yungas, dem Wald zwischen 500 bis 2.500 m.  Aber Per hat wenig von der Pracht. Die Straße ist nur 4 m breit, dazu geht es von einer Kurve in die andere. Bald tun ihm die Arme weh, er ist sehr froh, als wir endlich durch sind.
Was für Kontraste in diesem Land! Am nächsten Tag kommen wir nach Purmamarca, der Stadt mit dem Berg der sieben Farben. Im vollen Sonnenlicht ist die Leuchtkraft dieses Naturwunders fast unbeschreiblich eindrucksvoll.
Am 05. Dez. passieren wir die chilenische Grenze, die Abfertigung ist problemlos, aber die Chilenen sind pingelig, was das Mitbringen von r9ohem Fleisch, Obst und Gemüse angeht. Deshalb kommt am Schluss noch ein Zöllner mit ins Auto. Die letzte Apfelsine habe ich aufgegessen, ein paar Scheiben rohen Schinken in der Seitentür versteckt und den Napf mit den Nüssen vorsichtshalber hinter die Handtücher geschoben. Die Eier sind gekocht, ebenso die Kartoffeln, aber zwei alte Möhren haben wir als Bauernopfer gelassen. Die findet der Zöllner dann auch wunschgemäß, aber er nimmt auch noch 3 Scheiben fetten Speck mit. Na gut, den Kürbis und den Honig hat er zum Glück nicht gefunden.
Wir dürfen weiter und schrauben wir uns über den Passo de Jama schließli10ch auf 4.800 m hoch. Hier liegt nicht etwa Schnee, sondern es weiden noch die eleganten Vicunas, die wilden Verwandten der Lamas. Eine majestätische Kulisse umgibt uns. Über 6.000 m hohe kahle Vulkane mit vielfarbigen Gesteinsschichten, dazwischen ab und zu Lagunen von tiefblau bis grün, umgeben von weißen Rändern, gebildet aus Bakterien. Wir steigen aus zum Fotografieren und haben beide Probleme mit der Höhe. Wir sind zu schnell so hoch gekommen, zum Glück geht es sofort wieder steil runter, innerhalb von 40 km kommen wir von 4.800 m nach San Pedro de Atacama auf 2.400 m Höhe.
Schon 2011 war der Ort sehr touristische, aber das hat erheblich zugenommen. Es sind überwiegend junge Leute, unser Jahrgang ist kaum vertreten. Damals standen wir nachts hoch über dem Ort auf einer Klippe mit großartigem Ausblick – jetzt ist dort eine Schranke, man muss Eintritt bezahlen und darf auch nicht mehr über Nacht bleiben.
Zwei Tage später kommt Rose. Wir stellen einen Campingstuhl in unseren Durchgang und können zu Dritt Sightseeing machen. In der Wüste sind natürlich Lagunen immer ein Hit, also los zur Laguna Céjar mitten im Salar de Atacama. Das kann doch nicht wahr sein – Eintritt umgerechnet 20 €! Dank Roses Sprachkenntnisse erfahren wir den Grund. Ein Teil der  Lag11une ist so salzhaltig, dass man darin schwimmt wie im Toten Meer. Die Lagune wurde überrannt. Durch den Preis soll die Besuchermenge reduziert werden, heute liegt die Grenze bei 200 Personen pro Tag. Wir wollen nicht rein, und die nette Indiofrau am Eingang empfiehlt uns die Laguna Tebinquiche, nur 11 Kilometer entfernt. Machen wir und kommen dabei noch an zwei „Ojos“ vorbei. Es ist verblüffend, hier mitten im Salar sind  zwei runde Wasserlöcher mit Seegras, Libellen und einer Möwe. Weiße Ränder umgeben die Laguna Tebinquiche, und  dank Roses 12Sprachkenntnisse erfahren wir, dass es winzige Bakterien sind, die seit Jahrmillionen existieren und Sauerstoff produzieren. Wir haben immer noch nicht genug von17 Lagunen, also noch ein Stop an der Laguna Chaxa mit vielen dekorativen Flamingos.
Auch das  „Valle de la Luna“ lassen wir nicht aus. Karg, bizarr, mit Salz bedeckte Felsen, eben Mondlandschaft. Beim ersten Stop nimmt uns zum Glück der Führer einer Besuchergruppe mit, denn nur mit Taschenlampen kann man durch ein Labyrinth aus Gängen, Spalten, Schluchten, Höhlen klettern und kriechen. Der nächste Halt ist am sogenannten Amphitheater, wo Rose und ich so weit hochsteigen, dass wir in das nächste Tal schauen können. Grandios! Weiter zu den „Drei Marias“, Felsblöcke, die etwa eine Million Jahre alt sind. Danach wird es Zeit zur Umkehr, gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang sind wir oben an der Kante, um meinen Lieblingsberg, den Licancabur, und die gesamte 13Bergkette im Abendlicht zu bewundern. Es ist Neumond, und als das letzte Licht weg ist, verstehen wir, warum Observatorien bevorzugt in der Atacama-Wüste stehen. Gigantisch – wir sehen so viel mehr Sterne als je zuvor. Der Himmel scheint wie mit Sternenstaub bedeckt.
Vor der Rückfahrt nach Argentinien müssen wir noch tanken. Komisch nur, dass der rechte Vorderreifen so merkwürdig abbremst. Beim Rückwärtsfahren dreht er sich nicht, sondern hinterlässt eine Schleifspur auf dem Asphalt. Wir fragen uns zu einem Mechaniker durch und Rose begleitet uns als Dolmetscherin. Seine „Werkstatt“ ist am Straßenrand und besteht aus einer Werkzeugkis14te. Nachdem er unseren Drehmoment-Schlüssel zerlegt hat und anderes Werkzeug zerbrochen und verbogen hat, gelingt es ihm nur mit Hammer und Meißel die letzte Radmutter zu lösen. Die Bremssättel werden ausgebaut und siehe da, die Bremsbeläge sind gar nicht mehr vorhanden, sondern nur noch die Metall-Trägerplatte. Mit den Bremsen wären wir bei der Abfahrt vom Paso de Jama wohl in einer Schlucht gelandet. Warum hat unser Elektronik-Auto das nicht angezeigt??? Es sind extra Sensoren dafür vorgesehen. Waren sie nicht installiert? Ersatzteile gibt es natürlich nicht in San Pedro. Unser Mechaniker fährt mit dem Bus am nächsten Tag ins fast 100 km entfernte Calama um neue Bremsbeläge „schnitzen“ zu lassen. Die auf die Hälfte herunter geschliffene Bremsscheibe kann er mit seinem Werkzeug nicht auswechseln, aber wenigstens können wir erst einmal gefahrlos weiter reisen. 15
Ein Erlebnis haben wir durch unseren unfreiwilligen Aufenthalt gehabt: Wir wurden in ein Indio-Fest integriert. Tänzer in prachtvollen Kostümen ziehen an uns vorbei, in Blechblasinstrumente wird heftig geblasen, auf Trommeln und Becken schlagen die Musikanten mit aller Kraft ein. Wir stellen uns zu den Zuschauern, plötzlich bekommen wir Blumen und eine Kerze in die Hand gedrückt. Wir sind verblüfft, aber stellen uns in eine Reihe mit den anderen, die langsam in ein Haus gehen. Dort stehen auf einem kleinen Altar drei etwa 50 cm hohe Heiligenfiguren. Eine könnte Jesus sein, die anderen beiden sind edel gekleidete und umkränzte (Jung)-frauen. Jeder gibt davor die Blumen ab, die in einen16 großen Eimer gestellt werden. Die Kerze gibt man zur anderen Seite zurück, kniet nieder, schlägt ein Kreuz und kann sich dann auf einen der Stühle setzten, die am Rande des Raumes aufgereiht sind. Wir machen es brav allen anderen nach. Die Bläsergruppe tutet, was das Zeug hält, mit vielen falschen Tönen, und dazu tanzen die Männer mit prachtvollen blauen Kostümen und Schellen an den Stiefeln. Dann tanzen Frauen und Männer in pelzigen dicken weißen Kostümen mit Dämonenköpfen, die sie aber nur in den Händen halten. Zwei Männer in Affenkostümen sind auch noch dabei. Irgendwann werden die Heiligenfiguren auf die Straße getragen. Die Bläser intonieren „Happy Birthday“, es wird reichlich Konfetti gestreut, dann wird Sekt in Plastikbechern gereicht. Der Indio neben mir kippt einen Schluck auf den Boden. „Das ist für Pacha Mama.“ O.k., von uns bekommt sie auch was. Ich frage, wer denn Geburtstag habe. „Die Jungfrau von Guadalupe.“ „Die stammt doch aus Mexico“. „Das macht nichts, wir sind Brüder.“  Danach gibt es belegte Brötchen und Kuchen. Das Fest geht mit Musik und Tanz bis 1 h nachts. Nun zwar wieder drinnen, aber mit offener Tür, an Schlaf wäre nicht zu denken, so gehen wir mit den letzten.
Mit unseren halbwegs reparierten Bremsen fahren wir am nächsten Tag zurück über den Paso de Jama nach Argentinien. In einem trockenen Flussbett, umgeben von hohen Bergen, finden wir einen Ste15llplatz. Aber es wird eine schreckliche Nacht.  Ein gewaltiger Sturm tobt durch die Schlucht. Wie mit Riesenfäusten donnern die Böen ans Auto, es wird gerüttelt und geschüttelt, verschreckt fahren wir immer wieder aus dem Schlaf hoch.
Objektiv betrachtet, stehen wir in einer überwältigende Landschaft, die Weite, die farbigen Berge …aber wir haben genug von Wüsten, Staub und kahlen Felsen. Schnellstens soll es in die Yungas (Bergdschungel) gehen. Also zügig weiter, aber nicht zu zügig. Eine Unterbrechung muss jeden Tag sein:  bei Grido,  dem überall vertretenen Eisladen, wo man für 14 Pesos (1 €) eine Waffel mit 2 großen leckeren Kugeln bekommt.
Eis ist uns jetzt viel lieber als warmes Essen. Wir sind in der Ebene, und es ist sehr  heiß. Aber bei der Weiterfahrt ist endlich alles um uns herum grün. Zuckerrohr und Tabak werden angebaut, die Berge in der Umgebung sind bis in die Gipfel hinauf bewaldet – es erscheint uns paradiesisch. Unser nächstes Ziel, den Nationallpark Calilegua erreichen wir  gegen 17 h, fahren auf einen netten Platz mit Grillstellen, Picknicktischen und –bänken, suchen uns einen schattigen Platz, steigen aus dem gekühlten Auto aus und brechen in Schweiß aus -  es sind 37°C.  Ein kühles Bier, kurze Hosen an, ein leichter Wind kommt auf, so lässt es sich aushalten. Ranger und Rangerin kommen auf ein Bier und einen Schwatz vorbei, nach nur 20 Minuten merkt Per, dass er von allerlei Getier gestochen wird, also schnell mit Mückenschutz eingesprüht. Aber es ist zu spät. Pers Beine und Unterarme sind übersät mit entzündeten Stellen. Verursacher sind kleine schwarze Fliegen, die nicht stechen, sondern ein Stückchen Haut heraus knappern.16
Als es dunkel wird, beginnt das Konzert des Waldes. Zikaden lärmen los, es schrillt, kollert, zirpt, kreischt, pfeift, dazu kommt erst ein fernes Wetterleuchten, dann trommelt Regen aufs Dach und bringt Abkühlung.                                                                        

Wir sind glücklich endlich mal wieder etwas anderes zu hören als den Wind und schlafen bald ein.     
Am nächsten Morgen ist der Himmel teilweise bedeckt, es ist mit 26°C morgens noch recht angenehm. Auch im Laufe des Tages steigt die Temperatur „nur“ auf 31°C. Aber wir genießen es,  draußen sitzen zu können. Zwar müssen wir uns gegen stechende Tierchen einreiben, aber das ertragen wir. Vor uns taumeln Schmetterlinge zu Tausenden in Wolken über den Platz, grüne Echsen huschen über den Boden, die Elstervögel mit den blauen Augenbrauen freuen sich über Brotreste und klauen mir tatsächlich ein Stück Kuchen vom Teller, a18ls ich mal kurz ins Auto gehe.
Nach zwei weiteren Tagen mit Temperaturen bis 35°C brauchen wir dringend Abkühlung. Kein Problem, die Yungas haben unterschiedliche Vegetationsstufen mit entsprechenden Temperaturen. Wir sind auf ca. 500 m Höhe. Der Wald ist noch licht, man kann durch die Bäume schauen, der Boden ist kaum bewachsen. Wir fahren höher und die Vegetation verändert sich. Der Wald wird dichter und grüner, mehr und mehr Bromelien, Farne und Flechten wachsen auf den Bäumen, Lianen hängen herab, Papageien kreischen. Auf 1.700 m schließlich finden wir einen Stellplatz, die Temperatur ist angenehm, der Blick über die bewaldeten Berge und hinunter in eine tiefe Schlucht ist grandios. Aber wir sind im Regenwald, und der macht wenig später seinem Namen alle Ehre. Es regnet die ganze Nacht, am nächsten Morgen hängen Wolken zwischen den Bergen, es sind nur noch 15°C. Für eine weitere Nacht fahren wir wieder runter und dann weiter in den Nationalpark El Rey, der  wie Dschungel sein soll und den man angeblich nur mit Allradfahrzeugen erreichen kann. Das verstehen wir erst, als wir die ersten von 9 Furten passieren, über die im Augenblick nur wenig Wasser fließt. Teilweise geht es hier so steil runter und auch wieder rauf, dass Per das Opamobil nur mit Hilfe des Zentral-Differentials auf der anderen Seite wieder hoch bringt. 46 Kilometer Schotterpiste durch Nebelwald, dann 19sind wir auf einer grünen Wiese, umgeben von undurchdringlichen uns unbekannten Pflanzen. Eigentlich sind die argentinischen Campingplätze nicht für Wohnmobilisten gedacht. Man stellt das Auto auf einen Parkplatz und baut im Campingbereich sein Zelt auf. Wir dürfen ausnahmsweise unter einem Baum im Schatten auf dem Campingbereich stehen, der Ranger spricht natürlich kein Englisch, aber er spricht langsam und deutlich, so dass wir fast alles verstehen. Vor allem verstehen wir, dass wir unsere Hosen in die Socken stecken sollen, denn hier gibt es nicht nur stechende, beißende, zwickende Insekten, sondern auch noch bohrende Zecken. Deshalb müssen wir trotz feuchter Hitze mit lange20n Hosen rumalufen. Wir waren ein bisschen naiv, das hier ist kein Ziel für den Sommer, entsprechend sind wir die einzigen Touristen. Der Ranger hat uns auch vor heftigen Unwettern gewarnt, die im Sommer gefährlich werden können, und wie zur Bestätigung fängt es gegen 17 h an zu donnern und zu blitzen. Egal ob Süden, Westen, Osten, Norden, Blitze zucken an allen Seiten über den schwarzen Himmel, und es donnert ununterbrochen. Dann kommt das Gewitter näher, es beginnt zu regnen. Das Donnern und Blitzen hält 5 Stunden an, es ist  unheimlich. Wenn das Wasser in den vielen Flussdurchfahrten ansteigt, dann sitzen hier fest. Am nächsten Morgen – es ist der 24. Dezember - beschließen wir zu flüchten.22
Die Piste ist jetzt nass und rutschig, immer öfter muss Per die Differential-Sperre einschalten. Die Furten haben mehr Wasser, aber noch geht’s. Nach 2 ½ Stunden Piste  endlich wieder auf Asphalt, wir atmen tief durch. Wohin aber nun?
Wir fahren auf gut Glück in das kleine Örtchen Rosario la Frontera und kommen zum ehemaligen Bahnhof. Es ist ein großartiges über 100 Jahre altes Gebäude – oder besser, es war es, denn der Verfall schreitet voran. Trotzdem wohnt ein Ehepaar darin, die wir fragen, ob wir auf der gegenüber liegenden Grünfläche über Nacht bleiben dürfen -  kein Problem. Als die Beiden mit ihrem Motorrad zum Einkaufen fahren, bieten sie uns wildfremden Menschen an, in ihrem Garten im Schatten zu sitzen!!
So freundliche Menschen, ein leckeres Essen und ein gutes Glas Wein lassen dann doch noch Weihnachtsstimmung aufkommen.23