Bericht 3  –  28. Okt. bis 28. Nov. 2015    
„Guck mal da – IVECO!“  Nichts wie hin, wir brauchen einen neuen Tankdeckel. Den passenden Tankdeckel gibt’s nicht, aber in der Werkstatt können sie den Fehlerspeicher vom Bordcomputer auslesen, und siehe da, es gibt ein elektrisches Masseproblem.  Wir sind in San Luis im gleichnamigen Bundesstaat, etwa 900 Kilometer westlich von Buenos Aires. Es ist 17 h, wir bekommen einen Termin für den nächsten Morgen und einen Tipp für einen Campingplatz in der Nähe. Am nächsten Vormittag (19. Nov.) basteln ein Elektriker und noch ein paar andere Leute am Auto.  Probefahrt – Resultat:  Opamobil fährt nur noch im Notbetrieb  und ABS funktioniert nicht mehr. Immerhin  haben sie es geschafft, eine kaputte Lampe auszuwechseln. Aber nun ist erst mal von 13 bis 15.30 h Mittagspause. Um 16 h erscheint der Elektriker mit einem Studenten irgendeiner Ingenieurswissenschaft. Ein Glücksfall! Bis zum Feierabend  sind alle neuen Macken und sogar die alten beseitigt. Opamobil rennt wie ein Jüngling.
01Aber  ein Blick zurück: Am Ende von Bericht 2 waren wir am Atlantik in Punta Ninfas bei den Seeelefanten (27. Oktober). Das nächste Ziel waren die Anden, also los - quer durchs Land Richtung Westen. 600 Kilometer patagonische Steppe. Trockener unfruchtbarer Boden,  niedrige harte Büsche und  heulender Wind. Ein paar Meter neben der Straße Zäune, Zäune ohne Ende. Die  viele Quadratkilometer großen Haziendas sind alle eingezäunt, auch wenn keine Tiere gehalten werden. Zaunpfosten- oder Stacheldr02ahthersteller in Argentinien müsste man sein. Die Fahrt wird nach einiger Zeit langweilig, manchmal geht es 100 Kilometer geradeaus, nicht eine Kurve. Etwa alle 10 km kommt uns ein Auto entgegen - man grüßt sich. Endlich ein Dörfchen. Die Geier sind schon auf ihrem Schlafbaum. Auch für uns Zeit für einen Nachtplatz.
05Am nächsten Tag sind wir in Esquel , ein Wintersportort, aber die Saison ist zu Ende. Die Berge um das Städtchen haben noch schneebedeckte Gipfel,  wir stehen unter blühenden Obstbäumen neben einer Wiese voller gelbem Löwenzahn, und der Flieder beginnt gerade zu blühen. Noch sind die Frühlingsnächte kalt, mittags sitzen wir angenehm durchwärmt im So07nnenschein.
Nur 50 km weiter, nicht weit von der chilenischen Grenze, liegt unser nächstes Ziel: Der Nationalpark Los Alerces. Alercen sind Nadelbäume, die ältesten sollen 4.000 Jahre alt sein, aber die Touristen lässt man nur an ein Exemplar ran, das „erst“ 300 Jahre alt ist. Was für eine Landschaft – Natur pur! 2.600 km² Wald, darin Seen, in denen sich die Berggipfel spiegeln. „Die Schweiz Argentiniens“ wird die Gegend auch genannt, aber mit einem Unterschied, die Ufer sind nich06t bebaut, es gibt keine Orte, und die Campingplätze sind nur in der Hochsaison von Ende Dezember bis Ende Februar gut
besucht. Wir bleiben ein paar Tage auf zwei unterschiedlichen (kostenlosen) Plätzen direkt am Seeufer, lernen Sabine kennen, die mit Rucksack und öffentlichen Verkehrsmitteln reist, und Claudia und Uwe, die seit 4 Jahren in ihrem Wohnmobil leben. Man darf Feuer machen, und so sitzen wir an den Abenden am wärmenden Lagerfeuer und tauschen Reisegeschichten aus, wobei  argentinischer Rotwein nicht zu kurz kommt. Am Tage steigt die Temperatur meist auf über 20°C, aber wir wollen es noch wärmer, und das bedeutet - immer weiter nach Norden. Über den „Hippi- und Aussteigerort“  El Bolson kommen wir ins berühmte San Carlos de Bariloche. Die Stadt liegt langgestreckt am Südufer eines Sees mit dem klangvollen Namen „Lago Nahuel Huapi“, uns aber ist sie inzwischen viel zu touristisch, schnell ziehen wir weiter. Von der Panoramastraße am Nordufer  haben wir hinter jeder Kurve großartige Ausblicke zurück a09uf die Stadt und die Kordilleren. In Villa La Angostura gehen wir  am Ortsrand ausnahmsweise auf einen teuren Campingplatz. Ab und zu müssen auch Dinge wie Wäsche und Frisör erledigt werden. Der Gang zum Frisör ist sehr erfolgreich: Ich trage Modell Igel und bei Per setzt sich sein Dreitagebart auf der Kopfhaut fort. Die Kollegen des Meisters werden lange an uns nichts mehr verdienen.
„Fahrt unbedingt die Straße der 7 Se10en und vergesst den Lago Steffen nicht“, hat man uns geraten. Wirklich eine wunderbare Strecke. Die Luft ist so klar, dass die Berggipfel zum Greifen nahe scheinen. Sie spiegeln sich in den blauen Seen, und am Straßenrand blüht leuchtend gelb der Ginster. Von einem Aussichtspunkt schauen wir tief runter auf den Lago Steffen,  fahren eine schmale  Straße  auf endlosen Kehren an sein Ufer und bleiben zwei Tage im Nationalpark.
 Nächste Station ist San Martin de los Andes, und dann geht’s weiter stramm nach Norden. Nach wenigen Kilometern sind wir auf der legendären Ruta 40.  5.200 Kilometer lang geht sie von Südpatagonien (Rio 12Gallegos) bis an die Bolivianische Grenze. Es war ausschließlich eine Staub-und Schotterpiste und galt bei Abenteurern als Herausforderung. Heute ist die gute Hälfte asphaltiert. Zählen wir unsere Reisen von 2011 bis heute zusammen, sind wir etwa 3.000 km der Strecke gefahren, davon 2.000 Kilometer Staub und Schotter. Sie wird noch immer ihrem Ruf als Traumstraße gerecht, führt sie doch vorbei an zahllosen Seen, Gletschern und Vulkanen.
Kurz vor dem „bedeutenden“ Ort Zapala führt eine Straße ab zum Nationalpark „Laguna Blanca“. Hier haben wir schon mal 2011 gestanden, und der Platz ist uns noch in sehr guter Erinnerung. Weiß finden wir die Lagune nicht, eher liegt sie inmitten von dunklem Gestein, und nach unserem Reiseführer sollte sie im Frühjahr (also von Nov. bis März) die größte Niststätte  für Süßwasservögel in Patagonien sein, mit allein 2000 Schwarzhalsschwänen. Na ja, hier muss sich jemand verzählt haben. Es gibt ein einziges Pärchen Schwarzhalsschwäne und ein paar verstreute Wasservögel. Aber der Platz ist nach wie vor schön und sehr einsam – wir wären fast alleine, aber Christiane aus Berlin ist mit ihrem Motorrad auch hier. Sie hat vor 2 Jahren einen Motorradführerschein gemacht, ist inzwischen pensioniert und reist alleine durch Südamerika. Alle Achtung! Nach einem Schwatz am Abend und einem gemeinsamen Frühstück trennen sich unsere Wege, aber wir freuen uns auf ein Wiedersehen in Berlin.Chos
Ziemlich eintönige 150 Kilometer weiter sind wir in Chos Malal, ein trübes Nest, aber ein bedeutendes. Die Hälfte der 5.200 Kilometer der Ruta 40 ist erreicht. Ein großes Monument weist darauf hin.
 Unsere Kehlen sind trocken, wir wollen Bier. Das ist in Argentinien verhältnismäßig teuer. Eine Halbliterdose kostet rd. 1,50 €. Billiger ist es, eine Literflasche zu kaufen. Meist bekommt man die aber nur, wenn man leere Flaschen mitbringt. Gut, dass wir noch zwei haben. 

15Der Morgen des 15. Nov. ist warm und sonnig und mit wenig Wind. Wir folgen der Ruta 40 gen Norden. Unsere Karte von 2011 weist noch eine längere Strecke ohne Asphalt aus. Aber vielleicht ist sie ja inzwischen asphaltiert. Beim letzten Tanken in Patagonien fragen wir. Nein, etwa 100 Kilometer sind noch ohne Asphalt zu überwinden. Schotterstraßen bedeuten zum einen häufig Wellblech. Man bewältigt es am besten, wenn man mit 60-80 km/h drüberfährt. Bei jeder Kurve muss man kräftig abbremsen,  und wenn sich die Wellenhöhe plötzlich verändert oder tiefere Löcher auftauchen, gibt es einen Schlag, dass es scheint, unser armes Opamobil würde auseinanderbrechen. Dazu kommt der Staub. Den 18eigenen lässt man hinter sich, bei jedem entgegenkommenden Auto müssen schnell die Scheiben hochgehen. So sind wir immer wieder froh, wenn die Schotterstraße überwunden ist.
Das nächste Highlight ist der Canon de Atuel. Wir kennen ihn zwar schon von 2011, aber die Fahrt vorbei an Felswänden in spektakulären Farben und Formationen ist beeind16ruckend, also noch einmal. Diesmal haben die Kakteen riesige weiße Blüten, und wir finden einen Stellplatz mit Aussicht tief in die Schlucht, die der Fluss eingegraben hat. 
Seit der Provinz Mendoza sind, ist die Landschaft viel grüner. Um San Rafael wird reichlich Wein angebaut, und wir passieren  zahlreiche Obstbaumplantagen. Um nicht noch einmal die gleiche Strecke zu fahren wie 2011 wenden wir uns daher nach Westen, Richtung San Luis, wo wir das eingangs erwähnte Werkstatterlebnis hatten. 
Bei der Weiterfahrt begreifen wir, was Wassermassen anrichten können. Wir queren einer 19Notbrücke und sehen, dass die ursprüngliche sehr solide Straßenbrücke von einem gewaltigen Hochwasser weggerissen wurde. Die Hälfte liegt viele Meter weiter zusammen mit herausgerissenen Bäumen am  Ufer.
Seit fast zwei Monaten sind wir jetzt unterwegs, Zeit zu einem Platz zu kommen, an dem man sich richtig ausbreiten kann, neu sortieren, putzen und reparieren. Dazu wollen wir nach Belgrano, etwa 80 km südlich von Cordoba. Genauer gesagt,  wollen wir auf den Campingplatz von den Hamburgern Bettina und Ralf.
Auf der Karte wählen wir eine Strecke über kleinere Straßen, haben aber keine Höhenangaben. So kommt die erste Überraschung, als wir uns von 750 m innerhalb von 14 Kilometern auf einen Pass von 2.200 m hochschra18uben. Oben ist dann Schluss mit Asphalt, wir denken noch nichts Böses, denn es handelt sich um die RP 471, eine offizielle Straße. Aber die wird nach kurzer Zeit immer schmaler, steiniger und geht abwechselnd steil rauf und steil runter. Zwei Autos kämen nur an wenigen Stellen aneinander vorbei. Zahlreiche Motorradfahrer mit leichten Enduros überholen uns bzw. kommen uns entgegen. Es ist Wochenende, die Strecke scheint beliebt für Einheimische Biker-Fahrer zu sein. Wir fragen nach der Länge – 80 km. Na Hilfe! Aber die Blicke in die Landschaft sind großartig. Zwischen grünen Flächen erheben sich nackte Felsen und große Gesteinsbrocken liegen da wie von Riesenhand verteilt. Wir bleiben hoch oben und haben meist einen Blick übers Land bis zu den Bergspitzen in der Ferne. Per errechnet einen Schnitt von 16 km/h, oft können wir nur im Schritttempo fahren. Aber auch diese Strecke nimmt ein Ende, erschöpft erreichen wir Belgrano. Der Ort ist mit allem ausgestattet, was sich ein argentinischer Tourist unter Deutschland vorstellt. Lederhosen-Romantik, Deutsches Bier und natürlich jedes Jahr „Oktoberfest“.

Wir  bleiben eine Woche auf dem Campingplatz, kaufen beim Bäcker deutsches Vollkornbrot, ge23hen auch mal ein Bier trinken. Es ist noch immer nicht hochsommerlich warm, und an zwei Tagen regnet es sogar. Wir hatten geplant von Belgrano aus wieder nach Osten in Wald- und Sumpfgebiete zu fahren. Aber wir hören, dass es dort mächtige Unwetter gegeben haben soll und sogar viele Menschen evakuiert werden mussten. 
Als wir von unserer Radler-Freundin Rose hören, dass sie auf dem Wege nach San Pedro de Atacama ist, planen wir kurzerhand um. Es ist ja so schwierig sich in Berlin zu treffen, also treffen wir uns lieber in der Atacama- Wüste.
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Fortsetzung folgt - demnächst